Unsere Bestände
Die Bestände des Karl Dedecius Archivs
Das Karl Dedecius Archiv sammelt Vor- und Nachlässe von herausragenden Persönlichkeiten, die sich für den literarischen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Polen verdient gemacht haben. Zu solchen Personen gehören in erster Linie Übersetzer/-innen, aber auch Wissenschaftler/-innen, Journalisten/-innen, Politiker/-innen und gesellschaftlich engagierte Sammler/-innen.
Das Archiv geht auf den Übersetzer der polnischen Literatur ins Deutsche - Karl Dedecius - zurück. Am 15. Juli 2001 hat er sein Arbeitsarchiv der Europa-Universität Viadrina anvertraut mit dem Wunsch, es im Collegium Polonicum in Słubice unterzubringen. Sein Vorlass ist zur Keimzelle einer Einrichtung geworden, welche inzwischen auf mehrere Bestände im Umfang von insgesamt 500 laufenden Metern Akten und einer Bibliothek von mehreren Hundert Bänden angewachsen ist.
Unsere Bestände (in alphabetischer Reihenfolge):
Henryk Bereska (1926-2005) – „stiller Vermittler im Dialog zwischen Ost und West in Europa“ (Laudatio 2005), „der erste Passagier von Transatlantik“ (Transatlantik-Preis für sein Lebenswerk, 2005)
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Henryk Bereska
Bereska wurde in Katowice-Szopienice geboren und ist mehrsprachig in dem polnischen, deutschen und schlesischen Milieu aufgewachsen, wodurch er – nach eigenen Worten - die besten Voraussetzungen erworben hatte, um den Übersetzerberuf zu ergreifen. Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges besuchte er eine polnische Schule. Im Zweiten Weltkrieg wurde er – als Volksdeutscher – zum Dienst in der Wehrmacht einberufen. 1947 verließ er Schlesien und ließ sich in Ostberlin nieder. 1948-1953 studierte er Slawistik und Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Die ersten Übersetzungen von Henryk Bereska erschienen - bereits während seines Studiums – in einer Anthologie der Lyrik von Adam Mickiewicz. Nach dem Studium arbeitete Bereska als Lektor und Übersetzer im Aufbau-Verlag, den er schon 1955 aus politischen Gründen verließ. Seitdem arbeitete er als freiberuflicher Autor und Übersetzer hauptsächlich in Berlin und im märkischen Kolberg.
Henryk Bereska übersetzte über 100 Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Gedichtbände ins Deutsche, darunter Werke so bekannter Autoren wie Andrzejewski, Czapski, Herbert, Grochowiak, Iwaszkiewicz, Kochanowski, Lem, Mrożek, Nałkowska, Norwid, Różewicz, Witkacy, Wyspiański und Zagajewski. Groteske und eine bestechende „Koketterie“ der polnischen Literatur schätzte er am höchsten. Seit 1963 veröffentlichte er in Anthologien und Zeitschriften eigene Aphorismen und Gedichte, die später als eigenständige Bände erschienen sind u.a.: „Lautloser Tag“, „Berliner Spätlese“, „Auf einem Berg aus Sand“. Außerdem schrieb er auch Rezensionen und kritische, publizistische Texte – Einblicke in die Geschichte und Gesellschaft der DDR. Übersetzung bedeutete für ihn Rettung vor dem repressiven DDR-System, Literatur – Flucht in die Freiheit und Phantasie, eigenes Schreiben – Überwinden der Wirklichkeit.
1992 wurde Bereska Mitglied des PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. Für seine Übersetzungstätigkeit erhielt er zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen u.a. den Übersetzerpreis des polnischen PEN-Clubs (1994), Bundesverdienstkreuz am Bande (1997), Ehrendoktorwürde der Universität Wrocław (2002), Auszeichnung des polnischen Buchinstituts für die Botschafter der Polnischen Literatur – Transatlantik-Preis (2005).
Er wirkte nicht nur als ein mit literarischen Preisen und Auszeichnungen vielfach geehrter Übersetzer und origineller Dichter, sondern auch als Förderer junger polnischer Autoren und Initiator der zahlreichen deutsch-polnischen Veranstaltungen. 1995 und 1996 war er Moderator auf dem „Poetendampfer“ auf der Oder.
Der erste Teil des literarischen Archivs von Henryk Bereska wurde 2004 der Europa-Universität Viadrina übergeben. Inzwischen umfasst sein Nachlass ca. 20 laufende Meter erschlossener Akten. Darunter befinden sich Typoskripte der Übersetzungen, Korrespondenz mit Autoren und Verlagen, Privatkorrespondenz, biographische Materialien und Reisedokumentationen, umfangreiche Sammlung von Flyern und Theaterprogrammen, Dokumentation der gesellschaftlich-politischen Tätigkeit des Übersetzers.
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Erich Dauzenroth (1931-2004) – Die „unendliche Geduld“ als menschliches Existential
(Michael Kirchner in Dankbarkeit für Erich Dauzenroth, 1996)
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Erich Dauzenroth
Deutscher Erziehungswissenschaftler, Historiker und Philosoph wurde in Fulda geboren. 1952 kam er zuerst mit den Ideen Janusz Korczaks, einem Pestalozzi des 20. Jahrhunderts, in Berührung. Seit 1972 lehrte Dautzenroth als Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 1973 förderte er die Gründung der Internationalen Korczak-Vereinigung und 1977 der Deutschen Korczak-Gesellschaft, die er in den Jahren 1984-1996 leitete und in deren Rahmen er mit dem Deutschen Polen-Institut unmittelbar zusammenarbeitete. Über das Leben und Werk des polnisch-jüdischen Arztes, Pädagogen, Schriftstellers und Publizisten (1878-1942), wie auch über die Wirkung seiner psychopädagogischen und erzieherischen Theorien in der gegenwärtigen Welt veröffentlichte Dauzenroth zahlreiche wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Arbeiten. 1996 begann er ausgewählte Werke Korczaks herauszugeben. Bisher sind im Gütersloher Verlagshaus 16 Bände – Märchen, Erzählungen, Humoresken, Satiren und sozialkritische Publizistik – erschienen.
2005 erwarb das Karl Dedecius Archiv den Nachlass von Erich Dautzenroth – ca. 4 laufende Meter Akten und 30 Meter Drucke. Der eigentliche Nachlass Erich Dauzenroths enthält seine Monographien, Artikel, Referate, Quellenpublikationen, Vorträge, Dokumentation seiner wissenschaftlichen Tätigkeit an Hochschulen, in Instituten, Fachgesellschaften, auf Versammlungen und Fachkongressen, zur Publikation bestimmte Verlags- und Redaktionsarbeiten, biographische Materialien, Korrespondenz, Materialien über sein Lebenswerk. Erich Dauzenroths Janusz-Korczak-Kollektion macht den größten Teil des Bestandes aus. Dazu gehören Werke Janusz Korczaks und seine deutschen Übersetzungen, Dokumente zu Korczaks Biographie, Materialien über sein Lebenswerk und Dokumente Dritter.
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Karl Dedecius (1921-2016) – „Wer Kunst überträgt, […] wirkt gegen den Tod und für das Leben.“
(Karl Dedecius „Vom Übersetzen“, Frankfurt am Main 1986, S.)
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Karl Dedecius - 1. Teil
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Karl Dedecius - 2. Teil
Karl Dedecius wurde in einer deutschen Familie im multikulturellen Łódź geboren. Dort besuchte er das polnische humanistische Gymnasium (Abitur 1939). Am Anfang des Zweiten Weltkrieges von der Wehrmacht eingezogen, geriet er unter Stalingrad in die sowjetische Kriegsgefangenschaft. Dort lernte er Russisch und begann, russische Literatur ins Deutsche zu übertragen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete er u.a. als Übersetzer im Deutschen Theater-Institut in Weimar. 1952 siedelte er mit der Familie in die BRD über und ließ sich in Frankfurt am Main nieder, wo er als leitender Angestellte der Allianz-Versicherung tätig war. In der Freizeit engagierte er sich als Übersetzer und Herausgeber für die Popularisierung der polnischen Literatur im deutschsprachigen Raum.
1959 veröffentlichte er zwei Anthologien der polnischen Lyrik „Lektion der Stille“ und „Leuchtende Gräber“, deren eine Fülle weiterer Publikationen folgte. Die Bibliographie von Karl Dedecius umfasst über 120 Titel, darunter prominente Reihen wie „Polnische Bibliothek“ (Suhrkamp, 50 Bände), oder „Panorama der Polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts“ (Ammann, 7 Bände). Er hat der deutschen Sprache die Dichtung von Przyboś, Miłosz, Herbert, Szymborska, Lec und vielen anderen angeeignet.
Dedecius pflegte intensive Kontakte mit Polonisten und anderen Übersetzern aus Ost und West, deren Arbeit er aufmerksam verfolgte und nach Möglichkeiten förderte. Den eisernen Vorhang überwand er durch literarische Kontakte lange bevor die politischen Grenzen geöffnet wurden (Botschafter der Weltversöhnung). Übersetzung war für ihn Leidenschaft und Kalamität zugleich: „Suche nach dem gemeinsamen Nenner für das Doppelte, das Vielfache und doch immer für das Eine.“ (Laudatio von Karl Dedecius an Roswitha Matwin-Buschmann, in: „Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Jahrbuch“, Wallstein Verlag, Göttingen 1993, S. 67).
1980 wurde Karl Dedecius zum Direktor des von ihm konzipierten Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt. Das Institut wurde ins Leben berufen, um kulturelle Kommunikation im bilateralen Umgang zu erleichtern und so zur Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen beizutragen.
Karl Dedecius wurde mehrmals ausgezeichnet, u.a. mit dem Internationalen Übersetzerpreis des polnischen PEN-Clubs (1965), mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1990) und mit dem Deutschen Nationalpreis (2010). Er war Ehrendoktor der Universitäten Köln, Thorn, Krakau, Lublin, Breslau und der Europa-Universität Viadrina.
Der erste Teil des literarischen Archivs von Karl Dedecius wurde 2001 von ihm persönlich an die Europa-Universität Viadrina übergegeben, ihm folgten mehrere weitere Lieferungen, die letzte - 2016 nach seinem Tod. Insgesamt umfasst der Nachlass von Karl Dedecius ca. 300 laufende Meter Dokumente, darunter Korrespondenz mit polnischen und deutschen Schriftstellern (Böll, Canetti, Celan, Enzensberger, Grass Herbert, Iwaszkiewicz, Miłosz, Mrożek, Przyboś u.a.), mit bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (Dönhoff, Süssmuth, Schmidt, Weizsäcker, Bartoszewski), mit Verlagen, Universitäten und zahlreichen Kulturinstitutionen. Hinzu kommen Manuskripte der übersetzten Werke in verschiedenen Fassungen, Vorträge, Reden, Lebensdokumente, Kataloge, Plakate, Fotografien, Bücher mit Widmungen, Medaillen, Urkunden der Auszeichnungen und universitären Ehrungen, bibliophile Drucke, Grafiken und Fotografien.
Der Nachlass von Karl Dedecius befindet sich im Besitz der 2013 gegründeten Karl Dedecius Stiftung. Sie führt die interkulturelle Arbeit im Geiste ihres Stifters fort und verwaltet die Rechte zu seinen Werken.
Wenn Sie Unterlagen aus dem Nachlass von Karl Dedecius einsehen möchten, wenden Sie sich bitte an das Karl Dedecius Archiv. Alle Anfragen bezüglich der Publikationsgenehmigungen richten Sie bitte an die Karl Dedecius Stiftung.
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Rolf Fieguth – deutscher Slawist, Literaturwissenschaftler, Übersetzer aus dem Polnischen, Russischen und Französischen.
Inhaltsverzeichnis des Findbuchs: Vorlass Rolf Fieguth
Rolf Fieguth wurde 1941 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Slawistik, Germanistik und osteuropäischen Geschichte in West-Berlin und München, beeinflusst von der Theorie Roman Ingardens, promovierte er an der FU Berlin 1967 über Adam Mickiewicz. Nach der Promotion forschte er zum polnischen Klassizismus und zur Präromantik an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Mit dem Forschungsschwerpunkt philosophisch-literaturtheoretische Schulen vom russischen Formalismus über den romanischen und mitteleuropäischen Strukturalismus bis zur Phänomenologie und Rezeptionsästhetik war er 1967-1979 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz tätig, wo er im Bereich der Slawistik (Literaturwissenschaft) habilitierte. Anschließend lehrte er an den Universitäten in Mannheim und Amsterdam. 1980 wurde er zum Professor der Slawistik im Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin und 1983 zum Ordinarius für Slawische Sprachen und Literaturen an der Universität Freiburg (Schweiz) berufen.
Rolf Fieguth erforscht polnische Literatur von der Renaissance bis zur Gegenwart und das polnische und sowjetische Drama des 20. Jahrhunderts. Er übersetzte ins Deutsche u.a. Norwids „Vade-mecum“, „Transatlantik“ von Gombrowicz und Werke französischsprachiger Schweizer Schriftsteller*innen wie Bille, Bouvier, Chappaz, Simonet. Gemeinsam mit Fritz Arnold gab er „Die gesammelten Werke“ von Witold Gombrowicz heraus. Für seine Forschungs-, Übersetzungs- und verlegerische Arbeit wurde er u.a. 2001 mit dem Preis des Polnischen PEN-Clubs, 2009 mit der Verdienstmedaille der Adam-Mickiewicz-Universität Poznań und 2017 mit der Ehrendoktorwürde der Posener Universität ausgezeichnet.
2013 vertraute er ein Teil seines Arbeitsarchivs dem Karl Dedecius Archiv an. Der Vorlass von Rolf Fieguth umfasst Dokumente seiner wissenschaftlichen Tätigkeit: Entwürfe und Dokumentationen der slawisch-philosophischen Seminare und Symposien, Lehrveranstaltungen, Vorträge, Aufsätze, Korrespondenz, Rezensionen und Gutachten zu Arbeiten Dritter.
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Albrecht Lempp (8. Mai 1953 – 19. November 2012)
Albrecht Lempp war ein deutscher Slawist, Übersetzer polnischer Literatur und einer der wichtigsten Vermittler polnischer Literatur in Deutschland. Er verband seine übersetzerische Tätigkeit mit kulturmanagerialischer Arbeit und initiierte zahlreiche Projekte zur Förderung des literarischen und kulturellen Austauschs zwischen Polen und Deutschland.
Albrecht Lempp wurde am 8. Mai 1953 in Stuttgart geboren. Lempp studierte Slawistik und Geisteswissenschaften und setzte seine akademische Ausbildung in den Vereinigten Staaten fort. Beruflich war er unter anderem mit dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt verbunden, wo er an zentralen Programmen zur Förderung polnischer Literatur mitwirkte. Eine Schlüsselrolle spielte er bei der Konzeption des literarischen Programms des polnischen Gastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse und beim Aufbau nachhaltiger Strukturen für die internationale Präsentation zeitgenössischer polnischer Literatur.
Als Übersetzer übertrug Albrecht Lempp Werke zeitgenössischer polnischer Autorinnen und Autoren ins Deutsche und trug so zu deren Rezeption im deutschsprachigen Raum bei. Über viele Jahre leitete er die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau und unterstützte Übersetzungsprogramme, Fördermaßnahmen und kulturelle Partnerschaften. 2007 wurde er mit dem Transatlantyk-Preis für seine herausragenden Verdienste um die internationale Vermittlung polnischer Literatur ausgezeichnet. Albrecht Lempp verstarb am 19. November 2012 in Warschau.
Kristiane Lichtenfeld (geb. 1944)
Kristiane Lichtenfeld ist eine deutsche Slawistin und literarische Übersetzerin, die sich seit mehreren Jahrzehnten mit der Übertragung literarischer Werke aus dem Polnischen, Russischen und Georgischen ins Deutsche beschäftigt. Ihre übersetzerische Arbeit umfasst sowohl klassische als auch zeitgenössische Literatur, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mittel- und Osteuropa sowie dem Kaukasusraum.
Kristiane Lichtenfeld studierte Slawistik an der Humboldt-Universität zu Berlin mit den Schwerpunkten Russisch und Polnisch. Einen Teil ihres Studiums absolvierte sie an der Universität Warschau, was ihr späteres Interesse an der polnischen Literatur maßgeblich prägte. Nach dem Studium war sie als Lektorin und Redakteurin in Verlagen der DDR tätig, unter anderem im Aufbau-Verlag und im Verlag Volk und Welt, wo sie für polnische Literatur sowie für die Literaturen der Sowjetunion zuständig war.
Seit etwa 1980 arbeitet Kristiane Lichtenfeld als freie Übersetzerin. In dieser Zeit intensivierte sie ihre übersetzerische Tätigkeit und übertrug Prosa und Drama aus dem Polnischen und Russischen. In den folgenden Jahren erweiterte sie ihr Arbeitsfeld um die georgische Literatur. Die georgische Sprache eignete sie sich autodidaktisch an; ihr Interesse an dieser Literatur vertiefte sie durch zahlreiche Studienaufenthalte in Tiflis sowie durch enge Kontakte zu Autorinnen, Autoren und literarischen Kreisen in Georgien.
Kristiane Lichtenfelds Werk umfasst zahlreiche Übersetzungen polnischer, russischer und georgischer Autorinnen und Autoren, die wesentlich zur Vermittlung dieser Literaturen im deutschsprachigen Raum beigetragen haben. Besondere Aufmerksamkeit fanden ihre Übersetzungen im Zusammenhang mit internationalen literarischen Ereignissen, unter anderem im Kontext der Präsentation der georgischen Literatur auf der Frankfurter Buchmesse.
Kristiane Lichtenfeld ist aktiv im internationalen Übersetzer*innenmilieu engagiert. Kristiane Lichtenfeld nahm an Fachkonferenzen und Treffen von Übersetzerinnen und Übersetzern teil, unter anderem in Breslau und Tiflis. Im Jahr 2007 war sie als Translator in Residence mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen verbunden. Neben ihrer übersetzerischen Tätigkeit arbeitete sie auch mit Medien, darunter dem Rundfunk, zusammen und engagierte sich für die Vermittlung von Literatur und Kultur der von ihr übersetzten Regionen.
Für ihre übersetzerische Arbeit wurde Kristiane Lichtenfeld mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt, darunter georgische Übersetzerpreise sowie Literaturpreise für ihre Verdienste um die internationale Vermittlung der georgischen Literatur.
Roswitha Matwin-Buschmann – „Professionalität und Passion“, „polonistischer Profi für das Schwierige“.
(Aus dem "Laudatio von Karl Dedecius an Roswitha Matwin-Buschmann“ in: „Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Jahrbuch“, Wallstein Verlag, Göttingen 1993, S. 67).
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Vorlass Roswitha Matwin-Buschmann
Roswitha Matwin-Buschmann wurde 1939 in Trier geboren. Nach dem Studium der Slawistik am Dolmetscherinstitut (Russisch und Polnisch) in Leipzig arbeitete sie zunächst als Dolmetscherin, danach als Verlagslektorin für slawische Literaturen in Ostberlin (Aufbau Verlag, Eulenspiegelverlag, Verlag das Neue Berlin). Auf diese Zeit fallen ihre ersten einschlägigen Belletristik-Übersetzungen, u.a. „Der Unbesiegbare“ von Stanisław Lem.
Von 1970 bis zur Wende war sie freiberuflich als Übersetzerin polnischer und russischer Literatur sowie als Gutachterin und Redakteurin in Ostberlin tätig.
Von 1991 bis 2004 hatte sie eine Einstellung als Dolmetscherin und Übersetzerin am Goethe-Institut Warschau und arbeitete weiterhin mit verschiedenen Verlagen und mit polnischen Instituten in Berlin und Leipzig zusammen. Nach der Wende erwarben große westdeutsche Verlage (DVA, Suhrkamp, Insel, Luchterhand) die Rechte zu ihren Übersetzungen.
Ihr Werkverzeichnis umfasst über 70 Werke polnischer Autoren aller Genres vom Barock bis zur Avantgarde: Lyrik, Romane, Erzählungen, Essays, Hörspiele, Theaterstücke, Kinder- und Jugendliteratur. Sie ist auch als Übersetzerin und Autorin in ca. 40 Anthologien vertreten.
In den „Übersetzerprofilen“ bezeichnete Rosemarie Tietze die Übersetzungen von Roswitha Matwin-Buschmann als „Seiltanz zwischen den Zeilen“. Unter den Autoren ihrer Wahl befinden sich sowohl die Romantiker (Słowacki) als auch die Klassiker des 20. Jahrhunderts (Witkiewicz, Kuncewiczowa, Leśmian, Hłasko, Miłosz, Różewicz, Konwicki, Odojewski, Myśliwski, Lem, Krall), Autoren der Dekadenz (Przybyszewski), der Avantgarde (Iredyński, Zaniecki) und der Postmoderne (Rudnicki, Wiedemann, Tulli, Grzegorzewska), die Chronisten der Solidarność-Bewegung (Andermann, Michnik), sowie Autoren der jüdischen Literatur (Korczak, Grynberg, Hen) und Literatur des Holocaust (Sierakowiak, Gorodecka). Als Tochter eines Musikers hat sie besonderen Sinn für Phrasenmelodie und Rhythmus in verschiedenen Stilarten – von prophetisch-subtilem Słowacki über exzessive Sprache Witkiewicz‘ und ironische Distanz Brandys‘ bis zum futurologischen Diskurs Lems. Im Gespräch mit Andreas Tretner „Jeder Text ein neuer Tanz“ vom 7.06.1999 bezeichnete sich Roswitha Matwin-Buschmann als Übersetzerin, die mit Brandys, Lem und anderen Autoren seit bereits 30 Jahren tanzt.
Für die Übersetzung von „Variationen in Briefen“ von Kazimierz Brandys bekam sie 1993 Johann-Heinrich-Voss-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Ein Jahr später wurde sie zum Ordentlichen Mitglied der Darmstädter Akademie.
Der Vorlass von Roswitha Matwin-Buschmann wurde an das Archiv 2019 übergegeben, in demselben Jahr wurde es geordnet und elektronisch erfasst. Der Bestand umfasst ca. 2 laufende Meter Akten, darunter Manuskripte zahlreicher Übersetzungen mit Korrekturen und Notizen, Rezensionen literarischer Werke für Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Gutachten der Übersetzungsprojekte im Rahmen des Literarischen Colloquiums Berlin sowie Gutachten zur polnischen Literatur (1974-1995), Artikel für das Goethe-Institut, Korrespondenz mit polnischen Autoren und über 30 Verlagen, sowie eine Materialiensammlung zur literarischen Übersetzung, die aus wissenschaftlicher Sicht als besonders relevant erscheint.
Roswitha Matwin-Buschmann verstarb am 3. Dezember 2025 in Berlin.
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Heinrich Olschowsky (geb. 16. November 1939)
Heinrich Olschowsky ist ein deutscher Slawist und emeritierter Professor für Polonistik, der über viele Jahrzehnte hinweg maßgeblich zur Erforschung der polnischen Literatur sowie zur Entwicklung der deutsch-polnischen Wissenschaftsbeziehungen beigetragen hat. Seine Tätigkeit umfasst sowohl akademische Forschung als auch die Vermittlung slawischer Literaturen und Kulturen.
Heinrich Olschowsky wurde am 16. November 1939 in Nakło geboren. Olschowsky studierte Slawistik und Germanistik an den Universitäten Greifswald und Berlin und schloss sein Studium 1965 ab. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften tätig, wo er seine Dissertation zur Lyrik Tadeusz Różewicz’ verfasste. 1979 habilitierte er sich mit der Monographie Lyrik in Polen. Strukturen und Traditionen im 20. Jahrhundert.
1988 wurde Heinrich Olschowsky auf eine Professur für Polonistik am Institut für Slawistik der Humboldt-Universität zu Berlin berufen. Dort lehrte und forschte er über viele Jahre hinweg zu polnischer Literatur des 20. Jahrhunderts, Literaturtheorie und Geschichte der literarischen Kultur. Seit 2005 ist er emeritiert, blieb jedoch weiterhin wissenschaftlich aktiv.
Heinrich Olschowsky ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und literaturkritischer Texte sowie Übersetzer ausgewählter literarischer und wissenschaftlicher Arbeiten. Heinrich Olschowsky nahm an internationalen Konferenzen und Forschungsprojekten teil und trug wesentlich zur Stärkung der Polonistik in Deutschland bei. Im Jahr 1990 hielt er die Laudatio auf Karl Dedecius anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und hob dabei die Bedeutung der literarischen Übersetzung für den interkulturellen Dialog hervor.
Caesar Rymarowicz (1930–1993)
Caesar Rymarowicz war ein polnisch-deutscher literarischer Übersetzer, der über viele Jahre hinweg eine bedeutende Rolle bei der Vermittlung polnischer Literatur im deutschsprachigen Raum spielte. Seine übersetzerische Tätigkeit konzentrierte sich vor allem auf Prosa, wobei die Übersetzungen der Werke Stanisław Lems sowie weiterer wichtiger Autoren der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts einen besonderen Stellenwert einnehmen.
Caesar Rymarowicz wurde 1930 in Zagórów als Sohn eines Polen und einer Deutschen geboren und wuchs in einem zweisprachigen Umfeld auf. Ab 1948 lebte Caesar Rymarowicz auf dem Gebiet der späteren Deutschen Demokratischen Republik. Nach dem Schulabschluss in Werneuchen studierte er Anglistik und Slawistik, zunächst in Potsdam und ab 1951 an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er 1954 ein Diplom in Polonistik erwarb.
Nach einer kurzen Phase akademischer Tätigkeit arbeitete Caesar Rymarowicz ab 1956 als freier literarischer Übersetzer und Verlagsexperte. Rymarowicz kooperierte mit zahlreichen Verlagen in der DDR sowie später im vereinigten Deutschland und war in redaktionelle und beratende Prozesse bei der Veröffentlichung ausländischer Literatur eingebunden.
Rymarowicz übersetzte vorwiegend aus dem Polnischen ins Deutsche, sein Werk umfasst jedoch auch Übersetzungen aus dem Italienischen, Französischen und Russischen. Neben Buchveröffentlichungen fertigte er zahlreiche Übersetzungen kürzerer literarischer Texte an. Darüber hinaus war er als Gutachter und literarischer Berater tätig und wirkte an Begutachtungs- und Auswahlverfahren für Druckpublikationen mit.
Für seine übersetzerische Arbeit wurde Caesar Rymarowicz 1973 mit dem Übersetzerpreis der Polnischen Autorenvereinigung ZAIKS ausgezeichnet. Caesar Rymarowicz verstarb 1993 in Berlin und hinterließ ein umfangreiches Werk an Übersetzungen, das einen nachhaltigen Beitrag zum literarischen Austausch zwischen der polnischen und der deutschen Kultur leistete.
Hubert Schumann (1941-2013) - die Arbeiten von Hubert Schumann zeichnen sich durch „ästhetische Feinfühligkeit, das Einfühlungsvermögen und Verantwortungsgefühl gegenüber dem Original ebenso wie gegenüber der deutschen Sprache.“ Jürgen Gruner anlässlich der Verleihung der Übersetzerprämie "Volk und Welt" 1979
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Hubert Schumann (in Bearbeitung)
Hubert Schumann wurde 1941 in Kenzingen im Breisgau geboren und wuchs in Hainichen auf. Zwischen 1961 und 1966 studierte er Slawistik an der Universität Leipzig. Nach dem Studium arbeitete er zwei Jahre als Lektor für slawische Sprachen im Reclam-Verlag. Danach folgte er seiner Frau Barbara nach Warschau, wo sie in der Kulturabteilung der DDR-Botschaft u.a. als Dolmetscherin tätig war. In derselben Botschaft arbeitete Hubert Schumann von 1968 bis 1973 in der Presseabteilung.
Nach der Rückkehr aus Warschau übernahm er für kurze Zeit das Lektorat im Berliner Aufbau-Verlag, doch schon bald entschied er sich für den Beruf des freischaffenden Übersetzers. Von 1974 arbeitete er als Literaturbersetzer, Gutachter und Herausgeber mit verschiedenen Verlagen der DDR zusammen, hauptsächlich mit Volk und Welt. Wie jeder Übersetzer war er auch ein Literaturkenner und Förderer der Literaten, pflegte engen Kontakt zu der polnischen Literaturszene, immer auf der Suche nach interessanten Titeln und neuen Talenten.
Schumann legte einen großen Wert auf vollkommene Unabhängigkeit von politischen Strukturen, lehnte auch eine Mitgliedschaft in dem Schriftstellerverband der DDR ab.
Die Wende brachte mit der Auflösung der meisten DDR-Verlage eine tiefgreifende Zäsur in den Biographien vieler Übersetzerinnen und Übersetzer. Hubert Schumann verzichtete nach 1990 auf seine künstlerische Unabhängigkeit, gab das Literaturübersetzen auf und arbeitete von 1992 bis 1999 als Leiter des Stenographischen Dienstes des Landtages Brandenburg in Potsdam. Er starb 2013.
In seinen produktivsten Arbeitsjahren (1974-1990) veröffentlichte er über 40 Bücher, darüber hinaus auch zahlreiche Erzählungen und kleinere Formen in den Anthologien. Er übersetzte u. A. Werke von Stanisław Lem („Fiasko“, „Lokaltermin“, „Der Flop“), Marek Hłasko („Hafen der Sehnsucht“), Kazimierz Moczarski („Gespräche mit dem Henker“), Igor Newerly („Der Hügel von blauem Traum“), Hanna Krall („Dem Herrgott zuvor kommen“, „Tanz auf fremder Hochzeit“). Sehr geschätzt war er auch als Gutachter, er verfasste über 90 Gutachten für verschiedene Verlage.
Quelle: Worbs, Erika: „Hubert Schumann (1941-2013) und seine Übersetzungen aus dem Polnischen“. In: Aleksey Tashinskiy, Julija Boguna, Andreas F. Kelletat (Hg.): Übersetzer und Übersetzen in der DDR. Translationshistorische Studien. Berlin 2020.
Interessante Seiten:
- Polnische Autoren in der Übersetzung von Hubert Schumann
in der Übersetzungsbibliographien des DPI - Artikel über Hubert Schumann in Germersheimer Übersetzerlexikon (in Vorbereitung)
- Publikation: Übersetzer und Übersetzen in der DDR: Translationshistorische Studien.
Hg. v. Aleksey Tashinskiy, Julija Boguna und Andreas F. Kelletat. Berlin: Frank&Timme, 2020. - Werke von Hubert Schumann in der DNB
Eugeniusz Wachowiak - „Dichter des traurigen Optimismus“
(E. Wachowiak: „Przyswajalność słowa (z rozwazań tłumacza)”, 1980, S.1).
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Vorlass Eugeniusz Wachowiak
Polnischer Lyriker und Übersetzer deutscher Literatur wurde 1929 in Leszno (Lissa) geboren. Nach dem Studium an der Hochschule für Ökonomie in Poznań (1954 - Diplom in Wirtschaftswissenschaften) arbeitete er als leitender Angestellter im Handel und in der Industrie. In der Freizeit widmete er sich literarischer Arbeit. 1958 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband „Afryka poety” („Des Dichters Afrika“). Darauf folgten weitere, die die Stimmung der polnischen Intelligenz in den sechziger Jahren wiederspiegelten u. a.: „Przed snem niepokój” („Die Unruhe vor dem Einschlafen“- 1962) und „Trudno nasycić ziemię” („Es ist mühsam die Erde zu durchtränken“ - 1966). Beeindruckt von einer Studienreise nach Thüringen, publizierte Wachowiak 1970 den Gedichtband „Turyngia“ („Thüringen“). Bisher erschienen von ihm in Polen 16 Lyrik-Bände. Seine Gedichte wurden ins Deutsche übersetzt (u.a. von Bereska, Jentzsch, Kunze, Müller) und sind in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht worden.
Seit 1960 übersetzte Wachowiak – zuerst für die in Grünberg erscheinende Kulturzeitschrift „Nadodrze“ („Das Oderland“) – die Lyrik der DDR, u.a. Hans Cibulka, Bernd Jentzsch, Heinz Kahlau, Rainer Kirsch, Rainer Kunze, Werner Lindemann, Arnim Müller, Rose Nyland, Helmut Preissler. 1965 erschien in seiner Auswahl die erste polnische Anthologie der DDR-Lyrik: „Dopóki serce bije” („Solange das Herz schlägt“). Darauf folgten die Lyrikbände von Volker Braun (1974), Johannes Bobrowski (1976), Else Lasker-Schüler (1992), Johannes Poethen (1994). Wachowiak interessierte sich besonders für die Lyrik in der DDR, war Mitherausgeber der umfangreichen Anthologien: „Dopowiedzenie świtu” („Ergänzung der Morgenröte“ - (1969) und „Antologia wierszy poetów Niemieckiej Republiki Demokratycznej” („Anthologie der Dichter der DDR“ - 1979). Seine Übersetzungen anderer deutschen Autoren wie Paul Celan, Sarah Kirsch, Günter Grass, Ernst Toller und eigene Gedichte und Prosa veröffentlichte er weiterhin in polnischen Literaturzeitschriften wie „Odra“, „Poezja“, „Litery“, „Nurt“, „Borussia“, „Okolica Poetów“, „Akcent“, „Tygiel Kultur“, „Kresy“, „Przegląd Polityczny“, „Tygodnik Zachodni“.
Neben der Lyrik überträgt er auch Prosa – Tagebücher, Aufzeichnungen, Erzählungen u.a. von Marianne Bruns, Hanns Cibulka, Franz Fühmann, Rolf Hochhuth, Heinar Kipphardt, Rolf Schneider, Erwin Strittmatter, Ilse Tielsch und Franz Werfel.
Das Übersetzen ist für ihn – nach eigenen Worten - wie das Fortschreiben eigener Gedichte, es ist Fremdes, das vom Verstand und von Gefühl des Übersetzers aufgesogen wird. Mittels der Übersetzung artikuliert er gemeinsame Erfahrungen und führt seine eigene Dichtung in einen breiteren kulturellen Kontext hinein.
Zwischen 1960 und 1983 war Wachowiak Mitglied im Polnischen Schriftstellerverband. Seit 1989 ist er Mitglied im Verein Polnischer Schriftsteller und im polnischen PEN Club. Dort war er eine Zeit lang für Schriftstellerkontakte mit dem Ausland zuständig. In Poznań gründete er den Verlag „Bibliothek des Vereins Polnischer Schriftsteller“ und den Roman-Brandstaetter-Fond. In den 80er Jahren engagierte er sich in der politischen Opposition. Als Lyriker, Übersetzer und Intellektueller setzte er auf diese Weise den Dialog über die Grenzen hinaus fort.
Der Vorlass von Eugeniusz Wachowiak wurde 2015 dem Archiv übergegeben, es wurde geordnet und elektronisch erfasst. Der Bestand umfasst ca. 4 laufende Meter Akten, darunter einschlägige literarische Kommentare zur Lyrik, Übersetzungen, Vorträge, Korrespondenz mit den übersetzten Autoren, Berichte über die Aufenthalte in der DDR, private Betrachtungen bezüglich der „Psychologie der Deutschen“.
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Karin Wolff (?-2018) - „Nicht die ausgetretenen Pfade sind ihre Sache, sondern Unentdecktes oder Vergessenes.“ Christa Ebert über Karin Wolff in der Begründung für die Preisvergabe des Übersetzerpreises der Kulturstiftung NRW (unveröffentlichtes Typoskript vom 24.11.2010)
„Ich bin Individualistin und ich liebte schon immer die Freiheit. […] Ich bin halt eher eine Katze als ein Hund.“ Karin Wolff im Gespräch mit Robert Żurek, in: Żurek, Robert (Hrsg.): Polen - mein Weg zur Freiheit: Wie Polen die DDR-Bürgerrechtler inspirierte, Osnabrück, 2015
Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Karin Wolff
Karin Wolff wurde in Frankfurt (Oder) geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Abitur wurde sie – wegen der bürgerlichen Herkunft und christlicher Weltanschauung - nicht zum Studium zugelassen, sondern zur „Bewährung im sozialistischen Arbeitsprozess“ in einer Möbelfabrik entsandt. Trotz der Delegierung durch die Arbeiterschaft zum Studium der Indologie in Leipzig verwehrte man ihr das Studium. Letztendlich studierte sie evangelische Theologie am Berliner Sprachenkonvikt. Während eines 14-wöchigen Klinik-Aufenthaltes brachte sie sich selbständig die polnische Sprache bei und legte später am Polnischen Kultur- und Informationszentrum in Ost-Berlin das Sprachexamen ab. Zur gleichen Zeit begann sie, die polnische Literatur zu übersetzen. Ihre erste Publikation war ein Kinderbuch: „Die Abenteuer eines Knetemännleins“ von Maria Kownacka, 1970 bei dem Altberliner Verlag Lucie Groszer erschienen. Viele Jahre arbeitete Karin Wolff als Korrektorin, später als Lektorin in der Evangelischen Verlagsanstalt in Berlin und als freie Mitarbeiterin in der Redaktion der Monatszeitschrift „Polen (West)“ in Warschau. Seit der Wende lebte sie als freie Übersetzerin und Autorin in Frankfurt (Oder).
Sie übersetzte über 90 Bücher polnischer Autoren aus verschiedenen Epochen und unterschiedlichen literarischen Richtungen, darunter Werke von Jerzy Bieńkowski, Roman Brandstaetter, Jerzy Ficowski, Manuela Gretkowska, Maria Kuncewiczowa, Karolina Lanckorońska, Antoni Libera, Helena Mniszkówna, Maria Nurowska, Henryk Sienkiewicz, Andrzej Szczypiorski, Władysław Szpielman und Gabriela Zapolska. Sie war eine unermüdliche Botschafterin der polnischen Literatur und Kultur, die sie in verschiedenen Veranstaltungen dem breiten Publikum ihrer Heimatstadt vorgestellt hat.
Für Ihre Übersetzungen und ihr Engagement wurde sie mehrmals ausgezeichnet, u. A. mit dem Übersetzerpreis des Polnischen PEN-Clubs, dem Übersetzerpreis des Polnischen Autoren- und Komponistenverbandes (ZAiKS), der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland, dem Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen und der Dankbarkeitsmedaille des Europäischen Zentrums der Solidarność in Danzig.
Sie verstarb am 29.07.2018 in Frankfurt (Oder).
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