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Karl Dedecius Stiftung

Jahresberichte

Dywan_190-li-mąka ©Adam Czerneńko
Dywan_190-li-mąka ©Adam Czerneńko
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2020

Das Jahr 2020 stand im Schatten der Corona-Pandemie, die für die Realisierung der geplanten Projekte viele Hürden stellte. Trotz der ungewöhnlich schwierigen Situation, auf die keiner vorbereitet war, wurde ein großes Projekt unter dem Titel „Władysław Bartoszewski im deutsch-polnischen Kulturdialog“ erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen dieses Projektes wurden am Beispiel der Freundschaft zwischen W. Bartoszewski und K. Dedecius die Verdienste beider Brückenbauer für den deutsch-polnischen Kulturdialog, die Verständigung und die Annäherung gezeigt. Diese Ausstellung wurde im Jahre 2020 an verschiedenen Orten – in  Darmstadt, Torgau, Pasewalk, Greifswald, Halle, Weimar, Cottbus, Potsdam, Frankfurt (Oder)  präsentiert und stieß überall – trotz der Hygiene-Maßnahmen und zum Teil eines eingeschränkten Zugangs zu den Ausstellungsgebäuden – auf großes Interesse. Weitere Stationen dieser Ausstellung wurden von der Koordinatorin der Ausstellung, der Bartoszewski-Initiative, geplant.

Parallel zu der Ausstellung wurde auch ein Ausstellungskatalog vorbereitet, dieser ist als ein Printexemplar sowie elektronisch (DOI:10.11584/kds.2) zugänglich.  Die Vorbereitung der Ausstellung und des Katalogs fand in Kooperation mit dem Pan Tadeusz Museum der Ossoliński-Nationalbibliothek in Wroclaw und der Bartoszewski-Initiative der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin statt. Das Bildmaterial stammt aus dem Pan Tadeusz Museum, dem Universitätsarchiv der Europa-Universität Viadrina, dem Karl Dedecius Archiv am Collegium Polonicum sowie aus den privaten Sammlungen von Dr. Marcin Barcz. Dieses Vorhaben wurde finanziert aus den Mitteln der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Karl Dedecius Stiftung. 

Im Rahmen desselben Projektes wurden drei Veranstaltungen organisiert: Brücken bauen – ein Symposium für Władysław Bartoszewski anlässlich seines 5. Todestages, verbunden mit einer Ausstellungseröffnung mit dem Titel: „Władysław Bartoszewski – Widerstand, Erinnerung, Versöhnung, Kulturdialog“ – dieses Symposium sollte zunächst im Frühling 2020 stattfinden, aufgrund der Pandemie wurde es auf den Herbst verschoben. Wegen der zweiten Welle und dem steigenden Ansteckungsrisiko konnte diese Veranstaltung wider Erwarten nur online durchgeführt werden. Und doch verfolgten mehr als 100 Interessierte die Diskussionen von Prof. Gesine Schwan, Prof. Lipowicz, Prof. Friszke und anderen namhaften Gästen. Das Symposium wurde veranstaltet in Kooperation mit der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität Warschau, der Europa-Universität Viadrina, der Bartoszewski-Initiative, der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, dem Pan Tadeusz Museum der Ossoliński-Nationalbibliothek in Wrocław, der Fundacja Służby Rzeczypospolitej und dem Pilecki-Institut.

Wenige Tage nach dem Symposium bestand noch einmal die Möglichkeit, sich dem Leben und Werk von Władysław Bartoszewski zu widmen. Das interessierte Publikum wurde zu einer Filmvorführung „Brückenbauer“ von Zofia Kunert mit Podiumsgespräch zum Thema „Das geistige Vermächtnis von Bartoszewski und seine Aktualität aus heutiger Sicht“ eingeladen. An diesem Abend sprachen Dr. Marcin Barcz und Elżbieta Sobótka von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Diplomaten. Im Vordergrund stand sein „unermüdlicher Einsatz, der von der Erfahrung geprägt war, sein Leben nach der Verfolgung neu geschenkt bekommen zu haben“. Im Laufe des Abends wurde auf die engen freundschaftlichen Verbindungen zwischen Bartoszewski und Karl Dedecius hingewiesen – auf ihre Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und Stalinismus sowie die Bemühungen, „an der Verständigung zwischen den Völkern mitzuwirken“. Damit wurde auf den zweiten Brückenbauer, Karl Dedecius aufmerksam gemacht und in die Feier des Karl Dedecius Jahres überleitet. Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Ökumenischen Europa-Zentrum, dem Berliner Missionswerk, der Europa-Universität Viadrina, der Polnischen Gesellschaft Berlin, der Bartoszewski-Initiative und dem Pan-Tadeusz-Museum statt.
Die letzte letzte Veranstaltung, die im Rahmen der Bartoszewski-Projektes stattfand, war ein Workshop für SchülerInnen aus Słubice unter dem Titel: „Mit W. Bartoszewski unterwegs“. Dieser wurde von der Ausstellungskuratorin und Mitarbeiterin des Pan-Tadeusz-Museums, Dr. Małgorzata Stokłosa durchgeführt. Auch diese Veranstaltung konnte nur in einem Online-Format angeboten werden. Alle Veranstaltungen im Rahmen dieses Projektes konnten Dank der finanziellen Unterstützung der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durchgeführt werden.
Bis zum Ausbruch der Pandemie im Frühjahr trafen sich die Senioren aus Frankfurt (Oder) und Słubice zu Literaturgesprächen. Dieser Kurs musste eingestellt werden. Die Fortsetzung des Kurses ist in Kooperation mit dem Frankfurter Verein Arbeiten und Leben in historischen Gebäuden GmbH weiterhin geplant.

Für den Sommer 2019 war ein Workshop für deutsche Polonisten und polnische Germanisten unter dem Titel „Literaturübersetzung im deutsch-polnischen Kulturdialog – Zbigniew Herbert in der Übersetzung ins Deutsche“ geplant. Im Rahmen des Workshops sollte ein Treffen und ein Podiumsgespräch mit den Karl-Dedecius-Preisträgerinnen, Monika Muskala und Thomas Weiler organisiert werden. Dieses Projekt wurde in Koopertation mit dem Collegium Polonicum, dem Karl Dedecius Archiv, der Europa-Universität Viadrina, dem Deutschen Polen-Institut und teilnehmenden Universitäten vorbereitet und sollte von der Marion Dönhoff Stiftung und der Robert Bosch Stiftung finanziert werden. Aufgrund der Pandemie wurde es auf den Frühling/Sommer 2021 verschoben. 

Ebenfalls musste eine Studienfahrt nach Wrocław auf das nächste Jahr verschoben werden. Das Programm wurde in Kooperation mit dem Ökumenischen Europa-Zentrum und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa vorbereitet.

In Kooperation mit der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität in Warschau (Antragssteller), der Juristischen Fakultät der EUV und dem Sprachenzentrum der EUV wurde ein Antrag bei der Fritz Thyssen Stiftung eingereicht. Das Thema des geplanten Projektes ist: Deutsch-polnische Zusammenarbeit im Bereich des Verwaltungsrechts: Kommunikationsprobleme und Lösungsstrategien bei der Übersetzung von juristischen Fachtexten. Einleitung einer empirischen Untersuchung am Beispiel der Übersetzung des Werkes von Prof. Dr. Dr. h.c.  mult. Eberhard Schmidt-Aßmann ‘Verwaltungsrechtliche Dogmatik. Eine Zwischenbilanz zu Entwicklung, Reform und künftigen Aufgaben’. Die beantragte Summe wurde genehmigt. Mit denselben Kooperationspartnern wurde ein weiterer Antrag bei der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung eingereicht. Projekttitel:  Verwaltungsrechtswissenschaft im Dialog: Interdisziplinäre Forschungsansätze zur Bedeutung der Fachsprache für das gegenseitige Verständnis von polnischen und deutschen Juristen.

Im Jahr 2020 konnte die Arbeit an dem Konferenzband „Zbigniew Herbert – ein Dichter zwischen den Kulturen…“ abgeschlossen werden. Der Band wurde in Kooperation mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien, der Universität Wrocław (Antragsteller) und der Universitätsbibliothek an der EUV vorbereitet und wird als eine hybride Publikation (Open Access und Print) in den kommenden Tagen erscheinen.

Im Fokus der Aktivitäten im Jahre 2020 stand die Vorbereitung der Feierlichkeiten rund um den 100. Geburtstag von Karl Dedecius im Jahre 2021. Es wurden viele Aktivitäten für das Dedecius-Jahr eingeplant und viele Projekte wurden in die Wege geleitet. Das Ziel ist: in 100 Veranstaltungen verschiedenster Art – von Lesung, über Mal- oder Schreibwettbewerbe, Schul- oder Seniorenprojekte, Ausstellung oder Happening – an Orten in Deutschland, Polen und global im Jahr 2021 an das Werk und Wirken von Karl Dedecius zu erinnern. Alle Veranstaltungen sollen in einem Online-Kalender des „Dedecius-Jahres“ auf den WWW-Seiten der Stiftung veröffentlicht werden. Dazu wurde ein Aufruf veröffentlicht und die Einladung zur Beteiligung an der Initiative „Dedecius 100“ verschickt. Darüber hinaus wurde auf diese Initiative in drei Interviews, die in Fachpublikationen veröffentlicht wurden, hingewiesen: Jadwiga Kita-Huber und Renata Makarska: „Wyjść tłumaczowi naprzeciw“ (Universitas 2020), Orbis linguarum (53/2019, DOI: 10.23817/olin.53-25, link), Studia niemcoznawcze (64/2019, link) sowie Kronika Łódzka (link). Diese Idee wurde auch während der deutsch-polnischen Gespräche der Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft Sąsiedzi sowie während der vielen Begegnungen mit Universitäten aus Deutschland und Polen, die seit 2019 gab, vorgestellt.  Mehrere Institute reagierten auf diesen Anruf sehr positiv und erklärten sich bereit, aktiv mitzuwirken.  

In Kooperation mit der Europa-Universität Viadrina, der Universität Łódź, dem Museum der Stadt Łódź und dem Deutschen Polen-Institut wurden die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag in Lodz geplant und ein umfangreiches Programm zusammengestellt.

In Zusammenarbeit mit der Universität Łódź wurde ein Jubiläumsband für Karl Dedecius „Inter verba – inter gentes“ verfasst. Diese Publikation befindet sich im Druck und wird zum 100. Geburtstag von Karl Dedecius im Mai 2021 präsentiert. Im Rahmen dieser Publikation wurden Beiträge herausragender Literaturhistoriker und Übersetzer mehrerer Generationen, darunter von Nachwuchswissenschaftler(innen) gesammelt. Das Gutachten war überdurchschnittlich positiv.
 
Im Oktober 2019 wurde ein Workshop für Studierenden aus Łódź organisiert. Während des Treffens mit den Studierenden wurde in Zusammenarbeit mit dem Karl Dedecius Archiv und der Universität Łódź das Konzept einer Wanderausstellung für Karl Dedecius besprochen und die ersten Tafeln konzipiert. Die gesamte Ausstellung wird in Kooperation mit der Universität Łódź, der Europa-Universität Viadrina, dem Karl Dedecius Archiv und Museum der Stadt Łódź organisiert und im Mai 2021 präsentiert.

Im Fokus der Aktivitäten im Jahre 2021 werden die Veranstaltungen rund um den 100. Geburtstag von Karl Dedecius stehen. Aufgrund der Pandemie wird die Realisierung mancher Vorhaben auch im Online-Format in Erwägung gezogen.

 

Dr. Ilona Czechowska
Geschäftsführerin der Karl Dedecius Stiftung