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KARL DEDECIUS ARCHIV

Nachlass Karin Wolff

Karin Wolff (?-2018) - „Nicht die ausgetretenen Pfade sind ihre Sache, sondern Unentdecktes oder Vergessenes.“ Christa Ebert über Karin Wolff in der Begründung für die Preisvergabe des Übersetzerpreises der Kulturstiftung NRW (unveröffentlichtes Typoskript vom 24.11.2010)

„Ich bin Individualistin und ich liebte schon immer die Freiheit. […] Ich bin halt eher eine Katze als ein Hund.“ Karin Wolff im Gespräch mit Robert Żurek, in: Żurek, Robert (Hrsg.): Polen - mein Weg zur Freiheit: Wie Polen die DDR-Bürgerrechtler inspirierte, Osnabrück, 2015

Inhaltverzeichnis des Findbuchs: Nachlass Karin Wolff

Karin Wolff wurde in Frankfurt (Oder) geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Abitur wurde sie – wegen der bürgerlichen Herkunft und christlicher Weltanschauung - nicht zum Studium zugelassen, sondern zur „Bewährung im sozialistischen Arbeitsprozess“ in einer Möbelfabrik entsandt. Trotz der Delegierung durch die Arbeiterschaft zum Studium der Indologie in Leipzig verwehrte man ihr das Studium. Letztendlich studierte sie evangelische Theologie am Berliner Sprachenkonvikt. Während eines 14-wöchigen Klinik-Aufenthaltes brachte sie sich selbständig die polnische Sprache bei und legte später am Polnischen Kultur- und Informationszentrum in Ost-Berlin das Sprachexamen ab. Zur gleichen Zeit begann sie, die polnische Literatur zu übersetzen. Ihre erste Publikation war ein Kinderbuch: „Die Abenteuer eines Knetemännleins“ von Maria Kownacka, 1970 bei dem Altberliner Verlag Groszer erschienen. Viele Jahre arbeitete Karin Wolff als Korrektorin, später als Lektorin in der Evangelischen Verlagsanstalt in Berlin und als freie Mitarbeiterin in der Redaktion der Monatszeitschrift „Polen (West)“ in Warschau. Seit der Wende lebte sie als freie Übersetzerin und Autorin in Frankfurt (Oder).

Sie übersetzte über 90 Bücher polnischer Autoren aus verschiedenen Epochen und unterschiedlichen literarischen Richtungen, darunter Werke von Jerzy Bieńkowski, Roman Brandstaetter, Jerzy Ficowski, Manuela Gretkowska, Maria Kuncewiczowa, Karolina Lanckorońska, Antoni Libera, Helena Mniszkówna, Maria Nurowska, Henryk Sienkiewicz, Andrzej Szczypiorski, Władysław Szpielman und Gabriela Zapolska. Sie war eine unermüdliche Botschafterin der polnischen Literatur und Kultur, die sie in verschiedenen Veranstaltungen dem breiten Publikum ihrer Heimatstadt vorgestellt hat.

Für Ihre Übersetzungen und ihr Engagement wurde sie mehrmals ausgezeichnet, u. A. mit dem Übersetzerpreis des Polnischen PEN-Clubs, dem Übersetzerpreis des Polnischen Autoren- und Komponistenverbandes (ZAiKS), der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, dem Offizierskreuz der Republik Polen und der Dankbarkeitsmedaille des Europäischen Zentrums der Solidarność in Danzig.

Sie verstarb am 29.07.2018 in Frankfurt (Oder).