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Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv

Karl Dedecius

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Karl Dedecius – geboren als Sohn von Gustav und Martha Dedecius in der multikulturellen Stadt Lodz wurde Dedecius im Geiste der Toleranz, des Humanismus und des gegenseitiges Respekts vor unterschiedlichen Lebensarten erzogen. Er besuchte eine polnische Grundschule, später das humanistische Żeromski-Gymnasium.

Nach seinem Abitur im Mai 1939 wollte er Theaterwissenschaften studieren. Seine Pläne wurden durch den Beginn des Zweiten Weltkriegs vereitelt. Einberufen in die Wehrmacht, war er stationiert in Frankfurt an der Oder, 1942 wurde seine Einheit direkt nach Stalingrad geschickt, wo er in die russische Gefangenschaft geriet. Bis 1949 blieb er inhaftiert.

Nach der Freilassung ging er zu seiner Verlobten Elvira, die ebenfalls in Lodz geboren wurde, sich inzwischen aber in Weimar niedergelassen hatte. In seiner neuen „Heimat“ arbeitete er als Oberassistent am Weimarer Theaterinstitut. In dieser Zeit veröffentlichte er seine ersten Übersetzungen. Es waren russische Gedichte von Lermontov, ein Kinderbuch von Majakowski „Ein Löwe ist kein Elefant“ und „Rebell und Bauer“ von Kruczkowski. 1952 verließ Dedecius zusammen mit seiner Familie die DDR.

Angekommen in der BRD, stellte Dedecius seine Tätigkeit als Übersetzer der polnischen und russischen Literatur ein – die finanzielle Sicherheit seiner Familie, eine feste Einstellung hatte Priorität. Zuerst arbeitete er als Korrektor für das „Pfälzer Blatt“, später bewarb er sich bei der Allianz, wo er fünfundzwanzig Jahre arbeitete. Während der Beschäftigung bei der Versicherungsfirma konnte er sich in seiner Freizeit wieder dem Übersetzen widmen. 1959 veröffentlichte er seine erste Anthologie „Lektion der Stille“, bis 1979 waren es über 50 Bücher. Dazu kommen viele Artikel, Rundfunksendungen und Lesungen.

1979 gründete er das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt, das sich seit den 1980er Jahren für die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen einsetzte. Im Institut konnte er seine Aktivitäten als Verleger und Übersetzer der polnischen Literatur fortsetzen, er ist Begründer der Buchreihe „Polnische Bibliothek“, die 50 Bände umfasst, der Blauen Reihe, wie auch Herausgeber des siebenbändigen „Panoramas Polnischer Literatur des 20. Jahrhunderts“. 

Seit den 1960er Jahren wurde er mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem ist er Träger der wichtigsten Preise in Deutschland und in Polen. Dazu zählen: der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, das Große Verdienstkreuz mit Stern, der Deutsche Nationalpreis, der Orden des Weißen Adlers, wie auch der Deutsch-Polnische Preis. Darüber hinaus wurde ihm mehrfach die  Ehrendoktorwürde verliehen – zuletzt 2011 an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Heutzutage wird Dedecius als Nestor der Übersetzer polnischer Literatur und Vermittler zwischen Deutschland und Polen geschätzt. Sein Vorlass befindet sich im Karl Dedecius Archiv der Europa-Universität Viadrina, dort wird er wissenschaftlich betreut und den interessierten Forschern zur Verfügung gestellt.