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Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv

Jahresberichte

Dywan_190-turkusowy niby ©Adam Czerneńko
Dywan_190-turkusowy niby ©Adam Czerneńko

2018

Das Jahr 2018 war für die Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv sehr arbeitsintensiv und mit vielfältigen öffentlichen Auftritten verbunden.

Zunächst präsentierte sich die Stiftung in Konferenzen in Wrocław, Wien, Köln und Berlin. In Berlin wurde zum Beispiel das neuste Projekt der Stiftung „Erschließung, Aufbewahrung Digitalisierung und Präsentation renommierter Preise von Karl Dedecius“ vorgestellt. In Wrocław hingegen wurde die Zusammenarbeit zwischen Karl Dedecius und dem Lodzer Germanisten, Krzysztof A. Kuczyński, dargestellt. Das Profil der Stiftung, ihre umfangreichen Aktivitäten und innovativen Projekte wurden ausführlich  vor einem breiten Publikum in Köln und in Wien geschildert. 

Nach der Konferenz „Die Botschaft der Bücher – Leben und Werk von Karl Dedecius“, einer Konferenz in Slubice zu Ehren von Prof. Dr. h.c. mult. Karl Dedecius“, die bereits im November 2017 dank der Finanzierung der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung stattfand, wurde ein Konferenzband erarbeitet. Die Print-Version erschien im Dezember in Studia Translatorica, einer renommierten Reihe der Universität Wrocław. Die elektronische Version wird 2019 über den Server der UB der Europa-Universität aufrufbar sein. In diesem Zusammenhang ist die Stiftung an der Entwicklung einer Open-Access-Strategie für den Universitätsbereich beteiligt. Die Ergebnisse sollen im ersten Halbjahr 2019 präsentiert werden.

Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt „Literaturübersetzung im deutsch-polnischen Kulturdialog – Tadeusz Różewicz in der Übersetzung ins Deutsche“ im Jahre 2016 wurde im Sommer 2018 ein Anschlussprojekt „Literaturübersetzung im deutsch-polnischen Kulturdialog – Tadeusz Różewicz im Wechselspiel der Kulturen“ in Frankfurt (Oder) und Słubice durchgeführt. Genau wie zwei Jahre zuvor widmeten sich die polnischen Germanisten und die deutschen Polonisten dem Werk von Tadeusz Różewicz (sowohl der Übersetzung seiner Texte ins Deutsche als auch seiner kulturellen Aktivitäten in den vergangenen 50 Jahren). Auch diesmal absolvierten die Studierenden zunächst ein Seminar an ihren Heimatuniversitäten. Danach wurden von jeder Universität jeweils drei Studierende zu einem deutsch-polnischen Workshop nach Frankfurt und Slubice eingeladen.

Eine gelungene Einführung in den Workshop war die Filmvorführung „Meine Versöhnung. Tadeusz Różewicz und die Deutschen“ von Peter Lachmann. Anschließend fand ein Gespräch mit Maria Dębicz statt, die nicht nur einen Einblick hinter die Kulissen der Dreharbeiten gewährte, sondern auch die Freundschaft zwischen dem Dichter und seinem Übersetzer und zugleich dem Filmemacher schilderte. Schließlich erzählte sie in dieser öffentlichen Veranstaltung auch von ihrer eigenen Zusammenarbeit mit Tadeusz Różewicz.

An den folgenden Tagen beschäftigten sich die Workshopteilnehmer in deutsch-polnischen Tandems mit dem Werk von Tadeusz Różewicz. Dabei bereiteten sie eine Ausstellung zum Thema „Der Dichter im Wechselspiel der Kulturen“ vor. Diese Ausstellung war bis November 2018 im Foyer der Bibliothek im Collegium Polonicum zu sehen. Die Veranstaltung konnte dank der Unterstützung der Marion-Dönhoff-Stiftung, Sparkasse Oder-Spree sowie der Robert-Bosch-Stiftung stattfinden. Der nächste Workshop zum Thema „Literaturübersetzung im deutsch-polnischen Kulturdialog – Zbigniew Herbert in der Übersetzung ins Deutsche“ ist schon fest für 2020 geplant.  

An den Workshop knüpfte ein Treffen mit den Karl-Dedecius-Preisträgerinnen (mit Eliza Borg und Lisa Palmes) an. Das Treffen mit den Übersetzerinnen bestand aus zwei Teilen. Zunächst trafen sich die Studierenden zu einem Seminar mit den Preisträgerinnen und bekamen einen Einblick in die Arbeit eines Literaturübersetzers. Gleichzeitig konnten sie sich dann selbst auf dem Gebiet der Literaturübersetzung versuchen. Anschließend fand ein öffentliches Podiumsgespräch mit den Preisträgerinnen in der Regional- und Stadtbibliothek statt. Zu dieser Veranstaltung wurden alle Interessierte aus der Region eingeladen. Der Dank für die musikalische Umrahmung gilt dem Komponisten Karol Borsuk und seinen Kolleginnen Joanna Petryka Wawrowska und Natalija Nikolayeva.

Anlässlich des 5-jährigen Jubiläums der Stiftung wurde ein Symposium über Henryk Bereska – dem östlichen Pendant von Karl Dedecius – durchgeführt. Das Jubiläum wurde mit der Musik von Karol Borsuk und einem Grußwort der Präsidentin der Europa-Universität Viadrina, Prof. Julia von Blumenthal, eröffnet. Dr. Ulrich Bopp, der Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung i.R., ergriff ebenfalls das Wort. Im Anschluss wurde ein Film „Henryk Bereska“ von Magdalena Handerek, einer jungen Filmemacherin aus Polen, gezeigt. Nach einer kurzenpersönlichen Erinnerung der Familie Bereska (Frau Odette und Gilde Bereska) an den Übersetzer bot der wissenschaftliche Teil, den Akademikern aus Deutschland und Polen einen tieferen Einblick in seine vielfältigen beruflichen Aktivitäten und sein literarisches Engagement. Zum Ausklang dieser populär-wissenschaftlichen Veranstaltung wurde eine Ausstellung des Karl Dedecius Archivs „Ausharren in der Eremitage – Henryk Bereska (1926-2005)“ gezeigt.

In den vergangenen Monaten wurde auch ein Schulprogramm konzipiert. Die Idee, in diversen Workshops, die Jugendlichen auf die deutsch-polnische Nachbarschaft aufmerksam zu machen, mit ihnen gemeinsam zu überlegen, welche Bedeutung die Kultur hat, warum die Arbeit eines (Literatur-)Übersetzers so wichtig ist, stieß jetzt schon in Lodz, Frankfurt (Oder), Słubice und Darmstadt und Köln, wo dieses Projekt vorgestellt wurde, auf Interesse. Die Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Schulen wird weiterhin angestrebt.

Zusammen mit dem Verein Arbeiten und Leben in historischen Gebäuden in Frankfurt (Oder) und dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, wurde das Buch „Polnische Spuren in Deutschland“ in der Sakristei der Marienkirche in Frankfurt (Oder) präsentiert. Die Veranstaltung war sehr erfolgreich und soll im kommenden Jahr noch einmal für ein breiteres Publikum organisiert werden.

In einem Gespräch mit den Leiterinnen des Museum der Stadt Lodz und des Kleist-Museums wurde über die Zusammenarbeit der Stiftung mit diesen Kultureinrichtungen beraten. Beide Museen sind an einer Kooperation mit der Stiftung interessiert.

Nachdem die Ausstellung „Karl-Dedecius-Preis“ im Collegium Polonicum in Słubice und später im Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Europa-Universität Viadrina gezeigt wurde, wurde sie im Januar in der Universitätsbibliothek der Adam-Mickiewicz-Universität Poznan präsentiert. Im Gespräch mit der Leitung der Bibliothek wurden die interdisziplinären, binationalen Projekte thematisiert.  

Für das Karl Dedecius Archiv konnte die Stiftung dank der Unterstützung vom Deutschen Polen-Institut den Vorlass von Roswitha Matwin-Buschmann einwerben.

 

Dr. Hans-Gerd Happel
Vorsitzender der Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv