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Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv

Nachruf der Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv

Die Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv trauert um Karl Dedecius

Karl Dedecius, der bekannteste Übersetzer polnischer Literatur ins Deutsche, Initiator und Gründer des seit Jahren bekannten und hochgeschätzten Deutschen Polen-Instituts sowie vor drei Jahren Gründer der Stiftung Karl Dedecius Literaturarchiv ist am 26. Februar 2016, im Alter von 94 Jahren gestorben.

An diesem Tag verloren wir nicht nur jemanden, der unserer Europa-Universität sein wertvolles Archiv anvertraute und die wissenschaftliche Beschäftigung mit Leben und Arbeit der Literaturübersetzer hier in Frankfurt (Oder) und Słubice anregte und förderte, sondern vielmehr jemanden, der uns die Toleranz, einen respektvollen Umgang mit anderen Menschen (unabhängig von ihrer Herkunft, Ausbildung und Position) als auch verantwortungsvollen Gebrauch von Wort und Sprache sowie von Literatur-, Kultur- und anderen Wissenschaften gelehrt und vorgelebt hat.

1959 gab er seine erste Anthologie Lektion der Stille heraus. Damit wollte er auf den östlichen Nachbar aufmerksam machen – aus der Sicht der Verleger war es ein vager Versuch und doch sehr gelungen. Innerhalb von 60 Jahren veröffentlichte er 200 Bücher, darunter die 50 Bände der Polnischen Bibliothek, die sieben Bände des Panoramas der Polnischen Literatur, diverse Anthologien und Bücher, die er selbst geschrieben hatte. Dem deutschen Leser brachte er die Gedichte von den polnischen Nobelpreisträgern Wisława Szymborska und Czesław Miłosz sowie von anderen wichtigen Dichtern wie Tadeusz Różewicz, Zbigniew Herbert näher… Es war kein Zufall, dass zu seinen Freunden die wichtigsten polnischen Literaten zählten.

Das Anliegen Polens lag Karl Dedecius immer am Herzen. Er glaubte fest daran, dass Polen zu Europa gehört, und hieß Polens Beitritt zur EU willkommen. Seine Verdienste für die deutsch-polnische Verständigung sind enorm. 1977 lud ihn Helmut Schmidt zum deutsch-polnischen Forum nach Bonn ein – dort stellte er seine Idee und Konzepte vor, die zur besseren Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Deutschland und Polen beitragen sollten. Zwei Jahre später wurde das Deutsche Polen-Institut gegründet.

Unter den Polenkundigen wird heute Karl Dedecius als Brückenbauer, Botschafter der polnischen Literatur in Deutschland und als Polenfreund gelobt. Karl Dedecius war von der gemeinsamen christlichen Tradition, vom Humanismus und der Idee des gemeinsamen Europas geprägt. Er legte großen Wert auf ein friedliches Miteinander: Während der Feierlichkeiten zur Friedenspreisverleihung 1990, sagte er: „Wer Frieden gewinnen will, muss Freunde gewinnen“ – daran glaubte er bis zu seinem Tod und so werden wir ihn in Erinnerung behalten. Wir haben einen großartigen Menschen, einen zuverlässigen Freund und unermüdlichen Botschafter der deutsch-polnischen Verständigung verloren.

In seinen Werken und in unseren Herzen wird er weiterleben.